Ins Fühlen kommen

Die ganze Welt um uns herum ist maßgeblich kognitiv dominiert. Wir lernen schon früh als Kind, dass wir mit einer guten LEISTUNG Lob und Anerkennung erfahren, also das Verhaften in unserem Kopf, in unserem Verstand, positiv konnotiert ist. Wenn wir uns wehgetan haben, war ganz schnell ein Ablenkungseis oder eine andere Ablenkung zur Stelle. Diese Aktionen – seien sie noch so gut gemeint – haben uns signalisiert: Emotionen wie Trauer dürfen nicht gefühlt werden, wir müssen uns ablenken. Die Energie, die sich im Körper als bestimmte Emotion („Energie in Bewegung“) zeigt, wurde also in den Kopf umgelenkt.

Was ist also als Folge heute immer mehr zu erkennen? Depressionen, Gedankenspiralen, der Drang, alles VERSTEHEN und ANALYSIEREN zu wollen, Unruhe, Angst. Angst maßgeblich vor unseren eigenen Gefühlen, vor unserem Körper. Weil wir nicht gelernt haben, in herausfordernden Emotionen stehen zu bleiben, sie zu fühlen und sie dann gehen zu lassen. So wie es jede Emotion ganz selbstverständlich tut, wenn sie gesehen wird. Stattdessen greifen wir wie selbstverständlich zum Handy, um ja keine Ruhe entstehen zu lassen, in der wir mit unseren Emotionen konfrontiert werden könnten.

Aber durch zu wenig Connection zu unserem Körper gehen uns nicht nur die „negativen“ Gefühle, sondern auch die positiven Gefühle zusehends verloren. Freude ist zum Beispiel auch intensiv körperlich zu spüren durch ein Ganzkörper- oder Bauchkribbeln. Wir wissen immer weniger, worauf wir Lust haben, was unsere Bedürfnisse sind. Über den Körper sind wir außerdem mit unserer Intuition verbunden, die uns sagt, welche Lebensmittel, Personen und Aktivitäten uns guttun. Was kannst du also tun, wenn du spürst, dass du deine Körperverbindung wieder stärken darfst?

Folgende Schritte kannst du tun, um wieder ins Fühlen zu kommen:

  • Annehmen, was ist.

Genau, wo du stehst mit deinen Gefühlen, ist dort, wo du stehen darfst. Nimm dich an und wertschätze dein Überlebensprogramm, das dich vor überwältigenden Gefühlen schützen wollte. Werde weich mit den Blockaden und versuche nicht, sie zu bekämpfen oder sie weghaben zu wollen. Je stärker du dich gegen die aktuelle Version deiner Selbst sträubst, desto stärker werden die Widerstände.

  • Bewusstwerdung

Werde dir darüber bewusst, dass das ständige Im-Kopf-Sein ein Überlebensprogramm ist (Dissoziation), welches dir mal sehr gedient hat, als dir deine Emotionen so überwältigend vorkamen, dass sich dein Geist eingeschaltet hat und dich vom Körper abgespalten hat, um nicht zu fühlen. Dieses Programm läuft noch immer und suggeriert dir, dass es gefährlich sei, zu fühlen. Aber heute bist du erwachsen und kannst mit deinen Emotionen umgehen. Es braucht nur ein bisschen Training, um diese Umprogrammierung in Gang zu setzen.

  • Sprich mit Personen, denen du vertraust.

Öffne dich Personen in deinem Umfeld, dass du dir wünschst, wieder mehr in deinen Körper zu kommen, dich mehr mit deinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Frag sie nach Rat. Tausche dich mit ihnen aus. Zeig dich vulnerabel. Allein das Aufgeben einer perfekten, „starken“ Fassade kann enorm den innerlichen Performancedruck reduzieren und öffnet Türen zu echter Intimität und Nähe.

  • Festes tägliches Zeitfenster nur mit dir

Fang klein an. Mache täglich einen Check-In in deine innere Welt: Welche Gedanken ziehen sich gerade durch meinen Kopf? Welche Körperempfindungen nehme ich wahr? Was fühle ich in mir (im Herzen, Bauch, Hals etc.) und was spüre ich auf meiner Haut? Beobachte dich. So gewinnst du eine gewisse Distanz zu deinen Emotionen und Gedanken und hörst auf, dich mit ihnen zu identifizieren und dich in ihnen zu verzetteln.

  • Schreibe deine Gedanken auf!

Nimm dir bewusst Zeit, dir zu erlauben, alles zu denken, was dein Kopf denken mag, und bring es zu Papier. Alles, was aufgeschrieben ist, vermittelt dem Gehirn vermehrt, dass es keine Schleifen mehr drehen muss, weil es schon auf dem Papier abgespeichert ist.

  • Finde Tools, die dich unterstützen!

Seien es geführte Meditationen, autogenes Training, Reiki, EFT (Emotional Freedom Technique), Atemübungen, Yogaklassen. Probiere dich aus und erforsche, was dir hilft und in Resonanz mit dir geht. Sieh den Prozess, der sich manchmal als herausfordernd darstellt, als Spielfeld, innerhalb dessen genauso Leichtigkeit und Freude existieren darf.

  • Alles zu viel? Suche dir Hilfe!

Du bist zu überwältigt von allem, was dich emotional erwartet hat? Du musst nichts allein durchstehen. Such dir professionelle Hilfe auf deinem Weg in Form von Coaches, Therapeuten, Psychotherapeuten.

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